Was Hitze mit dem Körper macht – und warum sie auch das Hirn und Operationen beeinflussen kann

So hilft Wassereis Patienten nach Operationen

Hitze belastet den Körper. Blutgefäße erweitern sich, wodurch häufig der Blutdruck sinkt, während das Herz schneller schlagen muss, um die Organe weiterhin ausreichend mit Blut zu versorgen. Gleichzeitig gehen über den Schweiß große Mengen an Flüssigkeit und Elektrolyte wie Natrium verloren. Wird dieser Verlust nicht ausgeglichen, drohen Dehydrierung, Kreislaufprobleme, Muskelkrämpfe sowie eine eingeschränkte körperliche und geistige Leistungsfähigkeit. Warum die Hirnfunktion beeinträchtigt wird und Patienten nach einer Operation besonders gefährdet sein können, berichtet Prof. Dr. med. Thomas Gasser, Facharzt Funktionelle Neurochirurgie und geschäftsführender Gesellschafter der Beta Klinik Bonn, einer international ausgerichteten Privatklinik:

„Hohe Außentemperaturen belasten nicht nur Herz und Kreislauf, sondern auch das Gehirn. Bereits ein leichter Flüssigkeitsmangel von ein bis zwei Prozent des Körpergewichts kann die Hirnfunktion beeinträchtigen. Konzentration, Aufmerksamkeit und Reaktionsgeschwindigkeit nehmen ab, gleichzeitig steigt das Risiko für Kopfschmerzen, Schwindel und Verwirrtheit. Ursache sind unter anderem eine verminderte Durchblutung des Gehirns sowie Veränderungen im Wasser- und Elektrolythaushalt.

Besonders gefährdet sind ältere Menschen, Säuglinge und Kleinkinder, Schwangere sowie Menschen mit Herz-Kreislauf-, Nieren- oder Stoffwechselerkrankungen. Doch auch für Menschen, die sich von einer Operation erholen, kann die Wärme kritisch sein. Denn nach einem chirurgischen Eingriff befindet sich der Körper in einer ausgeprägten Stress- und Entzündungsreaktion. Gleichzeitig sind Flüssigkeitsbedarf und Kreislaufbelastung erhöht. Kommt zusätzlich starke Hitze hinzu, kann dies den Kreislauf destabilisieren und die Erholung erschweren.

Ein besonderes Augenmerk gilt außerdem dem postoperativen Delir. Dabei handelt es sich um einen akuten Verwirrtheitszustand, der sich durch Bewusstseins-, Aufmerksamkeits- und Wahrnehmungsstörungen sowie einen gestörten Schlaf-Wach-Rhythmus äußert. Die Ursachen der Entstehung sind noch nicht vollständig erforscht. Klarheit herrscht jedoch darüber, dass die Neurotransmitter eine bedeutende Rolle spielen. Betroffene wirken plötzlich verwirrt, desorientiert oder unaufmerksam. Manche sind unruhig und halluzinieren, andere fallen eher durch starke Schläfrigkeit und Teilnahmslosigkeit auf.

Auch wenn insbesondere bei älteren Menschen und Patienten mit Demenz oder eingeschränkten kognitiven Fähigkeiten ein erhöhtes Risiko besteht, kann es jeden treffen. Damit der Verwirrtheitszustand gar nicht erst auftritt beziehungsweise möglichst schnell wieder abklingt, muss eine frühe Diagnose und Behandlung erfolgen. Dies gelingt nur mithilfe einer engmaschigen Betreuung, zu der unter anderem Laborkontrollen gehören. Als besonders hilfreich hat es sich erwiesen, auf eine ausreichende Flüssigkeits- und Elektrolytzufuhr der Patienten zu achten – insbesondere während Hitzewellen. Kalorien, Vitamine, Zucker und Elektrolyte bringen den Wasser- und Elektrolythaushalt wieder ins Gleichgewicht und können so dabei helfen, das Delir wieder abklingen zu lassen. Deshalb empfiehlt es sich, dass Patienten unmittelbar nach dem Aufwachen elektrolyt- und zuckerhaltige Getränke wie Cola oder Gatorade zu sich nehmen oder auch mal ein Wassereis essen.“