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Ein Interview mit Ida Engelhardt

Für Ida Engelhardt gehören die Rosenberg Festspiele zum Sommer dazu

 

Ida Engelhardt – Foto: Eugen Engelhardt
Sie spielte unter anderem den Lügner in Goldonis „Der Lügner“ und bei den Faust Festspielen Kronach die Göttin Amorosa in Nestroys „Lumpazivagabudnus“. Außerdem war sie die Angélique im „Eingebildeten Kranken“, die Prinzessin Fatima in „Der Rubin“ und Evchen in „Der zerbrochne Krug“. 2014 schlüpfte sie - und das mit gerade einmal 17 Jahren - bei den Faust-Festspielen in ihre erste große Hauptrolle als Julia in Shakespeares großem Liebesdrama „Romeo und Julia“.I n der Werkbühne Kronach gab sie die Prinzessin Lena in Büchners „Leonce und Lena“ sowie Luise in Ödön von Horváths „Himmelwärts“ – Seit 2005 gehört Ida Engelhardt schon fast zum „Stamminventar“ der ehemaligen Faust, nunmehrigen Rosenberg Festspiele. Auch heuer ist die 19-jährige Kronacherin „natürlich“ wieder mit dabei – und das gleich in allen drei Stücken!
    

 

Frau Engelhardt, wie sind Sie zu den Rosenberg beziehungsweise vormals Faust Festspielen gekommen?
 
Ida Engelhardt: Ich habe 2005 als Statistin in „Der Barbier von Sevilla", „Faust I" und „Faust II" begonnen. Eine Klassenkameradin hatte mich damals mitgenommen. Ich war damals sieben oder acht Jahre alt. Ab diesem Zeitpunkt war ich dann in jeder Saison wieder mit dabei. Ich spiele also schon über die Hälfte meines Lebens bei den Festspielen mit. Man kann sagen, dass ich mit ihnen aufgewachsen bin. 2012 habe ich erstmals Text gesprochen und 2014 kam die erste Hauptrolle als Julia. Heidemarie Wellmann, die damals Regie geführt hat, hat an mich geglaubt und daran, dass ich das schaffen könnte. Das war für mich eine großartige Erfahrung.
 
 
Welche Bedeutung haben die Festspiele in Ihrem Leben?
 
 
Ida Engelhardt: „Die Festspiele sind ein ganz wichtiger Teil meines Lebens, den ich nicht missen möchte. Für mich gehören sie einfach zu meinem Sommer dazu.“
 
 
 
In welchen Stücken und in welchen Rollen sind Sie dieses Mal zu sehen? 
 
Ida Engelhardt: „Ich spiele heuer in allen drei aufgeführten Stücken mit, obwohl ich zunächst eigentlich nur für ein Stück vorgesehen war. In „Der Widerspenstigen Zähmung" von William Shakespeare spiele ich die Tochter Bianca - eine für mich eher untypische Rolle. Meist bin ich ja das brave Mädchen, die liebe Tochter. Die Bianca ist aber nur vermeintlich brav, in Wirklichkeit ist sie ganz anders und alles andere als ehrlich. Das ist eine interessante Herausforderung für mich. In „Der Besuch der alten Dame" von Friedrich Dürrenmatt spiele ich dann aber wieder das brave Mädchen, so wie man mich halt kennt. Im Kinderklassiker „Die kleine Hexe" von Otfried Preußler bin ich in verschiedenen Rollen zu sehen – beispielsweise als Blumenmädchen. Ich bin mir sicher, dass alle drei Stücke ganz toll werden.“
   
Ida Engelhardt bei den Proben – Foto: Eugen Engelhardt
Wie schaut Ihre berufliche Zukunft aus? Was machen Sie derzeit?
 
Ida Engelhardt: „Mein großer Traum ist es nach wie vor, als Schauspielerin zu arbeiten. Ich habe auch bereits an Schauspielschulen vorgesprochen. Einen Platz zu bekommen, ist aber sehr schwierig. Bei einem Vorsprechen kommen mehrere hundert Bewerber auf acht bis zwölf Plätze, die meisten davon sind Mädchen oder Frauen. Meist wird da - auch schon rein äußerlich - nach einem ganz bestimmten Typ gesucht. Deshalb ist das auch Glückssache, einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Zurzeit absolviere ich an der Medizinischen Akademie, Berufsfachschule für Logopädie in Leipzig eine Ausbildung zur Logopädin. Das macht mir viel Spaß und ich kann mir damit eine solide berufliche Basis schaffen. Die Ausbildung dauert drei Jahre. Ich bin jetzt im ersten Jahr, zwei folgen also noch. Danach kann ich immer noch entscheiden, wie es beruflich für mich weitergehen soll. Zudem kommt mir diese Art der Ausbildung sicherlich auch als Schauspielerin zugute beziehungsweise ist sie von Vorteil.“
 
Wie schaffen Sie es, beides - Ausbildung und Festspiele - unter einem Hut zu bringen, zeitlich wie auch hinsichtlich der Entfernung?
 
Ida Engelhardt: „Das ist wirklich nicht so ganz einfach, zumal ich gerade auch einige Klausuren vor mir habe. Bis jetzt war ich ja immer die ganze Spielzeit über in Kronach. Jetzt bin ich in Leipzig und weiß, es wird gerade oben auf der Festung geprobt. Das ist schon ein ungewohntes Gefühl und ich vermisse das auch. Die Proben kann man koordinieren, das funktioniert schon. Aber langweilig wird mir in den kommenden Monaten sicherlich nicht.“  
 
Wie war es bei der ersten Probe mit den neuen Schauspielern?
 
Ida Engelhardt: „Ich war am Anfang wahnsinnig aufgeregt und hatte große Bedenken. Das sind alles klasse Schauspieler mit einer fundierten Schauspiel-Ausbildung - und dann komme ich, ganz ohne Ausbildung! Aber das hat sich schnell gelegt, auch weil sie alle sehr nett sind. Es ist für mich auf alle Fälle eine große Ehre, mit solchen tollen Darstellern spielen zu dürfen. Beim Spielen ist auch gleich wieder das Gefühl zurückgekommen, dass Schauspielerin halt doch mein Traumberuf ist. Was ich so mitbekommen habe, gefällt es den Darstellern in Kronach sehr gut.“
 
Wie oft wird geprobt?
 
Ida Engelhardt: „Es wird jetzt jeden Tag geprobt. Am 29. Juni ist Premiere von „Der Widerspenstigen Zähmung“ und es müssen ja drei Stücke einstudiert werden. Ich stoße dann immer am Wochenende zu den Proben dazu.“
 
Wie ist es, mit Heidemarie Wellmann zu proben?
 
Ida Engelhardt: „Das ist einfach nur toll, total schön – und man lernt wahnsinnig viel dabei. Das liegt auch daran, dass sie in allem sehr genau ist. Sie gibt genaue Anweisungen und achtet auf jede Kleinigkeit, auf jedes Detail. Das gibt mir ein Gefühl von Sicherheit. Ich weiß, sie schickt mich erst dann auf die Bühne, wenn es wirklich passt – und sie hat von Anfang an immer an mich geglaubt und hat mich in allem bestärkt. Dafür bin ich ihr sehr dankbar.“
 
Ida Engelhardt - Foto: Eugen Engelhardt
Was ist das Besondere für Sie an den Festspielen?
 
Ida Engelhardt: „Das ist gar nicht so einfach zu erklären. Da kommen verschiedene Faktoren zusammen. Es ist sicherlich zunächst einmal die freundschaftlich-familiäre Art. Wir verstehen uns alle sehr gut. Die Darsteller sitzen auch nach den Aufführungen zusammen, reden und essen auch gemeinsam. Zudem ist es natürlich eine wunderschöne Atmosphäre, die Kulisse, so hoch auf der Festung – und wir spielen in der Natur. Ich mag das sehr. Auch wenn es mal regnet, nass ist oder kalt: Das gehört einfach dazu. Wir spielen auch nicht auf einer „normalen“, sondern auf einer Riesen-Bühne. Da ist es noch wichtiger, dass alles passt – wo man sich hinstellt, wie man sich bewegt, wohin man schaut. Ich finde es auch gut, dass wir anspruchsvolle Stücke spielen - Klassiker, bei denen die Sprache und das ganz Eigene des Autors erhalten bleibt, die aber gleichzeitig für jedermann leicht verständlich inszeniert werden. Man merkt das, wie das Publikum mitfühlt und mit dem Herzen dabei ist. Das ist es doch, was Theater ausmacht. Ich freue mich riesig auf die neue Spielzeit.“ 
 
 
 
Die Fragen stellte Heike Schülein.   
 
Alle Fotos: Eugen Engelhardt. (Die Bilder zeigen Ida bei den Dreharbeiten zu „Der Widerspenstigen Zähmung").

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